1.

Darum geht’s

Bunte, duftende Blumenwiesen, summende Insektenvielfalt, hochwertiges Medzinalfutter für gesunde Rinder – ein unverzichtbarer Teil unserer traditionellen Salzburger Landschaften. Aber damit diese Artenvielfalt auch nachhaltig ist, braucht es eines: Regionalität ohne Wenn und Aber! Wiesenpflanzen sind innerhalb ihres Verbreitungsgebietes nämlich genetisch differenziert, auch wenn äußerlich kein oder kaum ein Unterschied zwischen z.B. einer Wiesen-Witwenblume aus Süd-Schweden und einer aus dem Lungau besteht. Auf genetischer Ebene zeigen sich jedoch regionale Differenzierungen und diese orientieren sich nicht an Ländergrenzen, sondern an der Eigenart der naturräumlichen Regionen. Allein in Salzburg unterscheiden wir schon deshalb sechs davon, die alle ihre spezifischen landschaftlichen Entwicklungsgeschichten und Wuchsbedingungen haben. So hat jede Region ihre regionseigene genetische, erntbare, genießbare und nützliche Vielfalt an Wiesentypen, Arten, und ökologischen Beziehungen hervorgebracht. Im Projekt Wild & kultiviert sichern und vermehren wir diese wertvollen regionalen Ressourcen, zum Wohle der Artenvielfalt, der Bauern und der Bevölkerung.

2.

Unser Ziel

Ziel des Projektes ist der Aufbau einer regionalen Wiesensaatgutproduktion aus Wildbeständen für das Bundesland Salzburg. Damit wird die genetische Variabilität von Pflanzenarten unserer artenreichen Wiesen erhalten und gesichert. In jedem Bezirk soll es einen landwirtschaftlichen Partnerbetrieb geben, der die Sammlung und Aufbereitung des Wiesensaatgutes auf hunderten Spenderflächen von mehr als 100 landwirtschaftlichen Partnerbetrieben durchführt. Alle Spenderflächen werden mit Unterstützung des Landes Salzburg und der Bäuerinnen und Bauern langfristig erhalten, damit die unverfälschte Erhaltung dieses genetischen Pools an Wiesenpflanzenarten sichergestellt wird. Mit dem gewonnenen Saatgut wird Zug um Zug ein vielfältiges Angebot unterschiedlicher extensiv genutzter Wiesentypen für unzählige Anwendungen von der Mähwiese bis zur Straßenböschung oder Skipiste aufgebaut. Zum Projektende, im Jahr 2023, wird das Wiesensaatgut in ausreichender Menge aus gesicherten nachvollziehbaren Herkünften für alle naturräumlichen Regionen Salzburgs bereitgestellt und verfügbar sein.

3.

Das wird gemacht

In allen sechs Salzburger Regionen werden hunderte Magerwiesen von mehr als 100 Betrieben gemeinsam mit den Bäuerinnen und Bauern als Spenderflächen für regionales Wiesensaatgut ausgewählt. Deren pflanzliche Artenzusammensetzung wird erhoben und der Fortbestand dieses Artengefüges anhand eines jährlichen Monitorings kontrolliert und damit gesichert. In Abstimmung mit den Grundbesitzerinnen und Grundbesitzern wird eine Vereinbarung abgeschlossen, welche die Besammlung des Wiesensaatguts regelt und mittels freiwilligem Vertragsnaturschutz die Samenernte finanziell abgeltet. Die landwirtschaftlichen Partnerbetriebe werden fachspezifisch für die Besammlung mit den eBeetle Geräten sowie für die Trocknung und Aufbereitung des Saatgutes ausgebildet und der Produktionsprozess für das Wiesensaatgut begleitet und kontrolliert. Alle Daten und Abläufe von der Erkundung der Spenderflächen bis zum abgabereifen Saatgut werden in einer Zertifizierungsdatenbank nachvollziehbar aufbereitet, sodass eine Rückverfolgung vom Samensackerl bis zu den bunten Blumenwiesen möglich ist, von denen das Saatgut gewonnen wurde. Begleitende Öffentlichkeitsarbeit und Bewusstseinsbildung, mit tollen Bildungsmaterialien für alle teilnehmenden Bäuerinnen und Bauern, bis hin zu Praxis- und Anwenderworkshops fördern das öffentliche Interesse für regionales Wiesensaatgut und bereiten den Boden für den Aufbau eines regionalen Marktes für garantiert regionales Wiesensaatgut für alle Salzburger Regionen vor.