eNature Point "Rund um das Saumoos"

Station: Hochmoor

Sie stehen hier mit herrlichem Blick auf den Zentralbereich des Hochmoores Saumoos. Ein Hochmoor ist ein ganz besonderer Lebensraum: Er wird nur noch aus Niederschlägen und durch aus der Luft eingetragene Mineralsalze versorgt. Daher herrscht eine extreme Nährstoffarmut, die gemeinsam mit einem niedrigen pH-Wert und permanenter Wassersättigung im Laufe der Evolution eine hochspezialisierte einzigartige Pflanzen- und Tierwelt mit einer Vielzahl gefährdeter Arten hervorgebracht hat. Diese Hungerkünstler haben spezielle Anpassungen und Strategien entwickelt, um überleben zu können.

Ein solcher Spezialist, der hier tatsächlich festgestellt werden konnte, ist der sogenannte Hochmoor-Gelbling. Der Schmetterling ist durch seine Lebensweise an Moore und angrenzende Lebensräume gebunden, denn die Raupe lebt nur an der Rauschbeere, welche ihrerseits an den Sonderstandort Moor angepasst ist und nur hier vorkommt. In der Umgebung dieser Moore müssen außerdem ausreichend Blütenpflanzen für die Falter zur Verfügung stehen, da es in den Mooren selbst fast keine Blüten gibt. Durch den ehemaligen Torfabbau und Aufforstungen der Moorränder mit Fichtenmonokulturen ist der Hochmoor-Gelbling mittlerweile sehr selten geworden, und man kann sich wirklich glücklich schätzen, wenn man ein Paar in der Sonne tänzeln sieht: Die Männchen fliegen bei Sonnenschein auf der Suche nach Weibchen nahezu ununterbrochen umher. Dabei werden oft Geländemarkierungen abgeflogen und Hindernisse wie hohe Baumgruppen vermieden. Trifft ein Männchen auf ein Weibchen, so umkreisen sie einander und steigen bis zu 30 Meter auf. Gegen Ende kehren sie zum Boden zurück und das Männchen drückt das Weibchen durch häufiges Anstoßen immer tiefer bis anschließend die Paarung in der Vegetation erfolgt. Die Weibchen legen an besonnten Blattoberseiten der Rauschbeere ihre Eier ab, die jungen Raupen überwintern nach der zweiten Häutung an der Pflanze und verpuppen sich erst im nächsten Jahr.

Bald  liegt jedoch alles unter einer dicken Schneedecke, und wir müssen uns noch ein wenig gedulden, bis im nächsten Frühjahr wieder alles zu neuem Leben erwacht. Und dann wird auch der Hochmoor-Gelbling wieder seine Kreise ziehen.