eNature Point "Rund um das Saumoos"

Station: Ackerwildkräuter

Flugs hat sich auch der Herbst verabschiedet und ein nächster knorrig kalter Winter steht vor der Tür. Der November mag zwar ein bisschen trist wirken, die niedrigen Temperaturen spielen aber für viele Ackerwildkräuter in diesen Höhenlagen eine entscheidende Rolle. Sogenannte „Kaltkeimer“ brauchen sogar den Kältereiz in Form von Frost, um im nächsten Jahr überhaupt wieder prächtig blühen und Samen bilden zu können.

Auch die noch weiter verbreitete Kornblume gehört zu diesen Kaltkeimern. Sowohl ihr deutscher als auch lateinischer Name geben bereits Auskunft über Lebensweise und Aussehen der Pflanze: Die Kornblume ist häufig in der Nähe bzw. am Rand von Getreidefeldern anzutreffen, und gedeiht auf offenen, eher nährstoffarmen Standorten. Gelegentlich ist sie auch an Brachflächen sowie im Ödland wild zu finden. Centaurea cyanus wiederum deutet auf die markant blauen Blütenkörbe hin, weshalb sich sogar der Farbton kornblumenblau eingebürgert hat.
Im Mittelalter hatte die Kornblume eine wichtige Bedeutung als universelle Heilpflanze, die sowohl für äußerliche als auch innerliche Beschwerden angewendet wurde. Heutzutage darf man sich in erster Linie an der Blütenpracht erfreuen, und so werden die Blüten hier im Lungau für die Dekoration der Prangstangen - sechs bis acht Meter hohen Holzstangen, die mit Girlanden aus frischen Alm- und Wiesenblumen verziert werden - herangezogen. Diese werden dann bei einer feierlichen Prozession im Juni durch den Ort und in die Kirche getragen. Diese Jahrhunderte alte Tradition geht der Überlieferung zufolge auf eine Heuschreckenplage zurück, bei der die Vegetation vernichtet wurde, ausgenommen die Margeriten. In ihrer Not haben die Bauern dieser Gegend dem Herrgott gelobt, jedes Jahr solche Blumenstangen zu binden, um in Zukunft von derartigen Naturkatastrophen verschont zu bleiben.