Wiesensaatguternte im Berchtesgadener Land - Unsere tatkräftige Unterstützerin Melanie Tatzmann gibt einen Einblick

Mein Name ist Melanie Tatzmann, ich bin mit meiner Familie glückliche Bewohnerin eines kleinen landwirtschaftlichen Betriebes im Haarmoos. Als Flora-Fauna-Habitat und Vogelschutzgebiet erweckte meine Heimat auch das Interesse für die dort lebenden Wiesenbrüter. Um diesen Vögeln langfristig nutzbare Lebensräume zu erhalten, bin ich als Wiesenbrüterberaterin tätig. Dazu gehört unweigerlich auch die Nahrung der Vögel, welche vorwiegend aus Insekten besteht, die wiederum ein reichhaltiges Blühangebot und strukturreiche Lebensräume brauchen um deren Fortpflanzung sicherzustellen. Um solche ökologische Kreisläufe im Landkreis stärker zu unterstützen, bekundete ich mein Interesse bei der Biosphärenregion BGL.
Die Projektziele des INTERREG Projekt Wild und kultiviert- regionale Vielfalt säen mit dem Bundesland Salzburg zeigten sich als perfekte Synergie. Gemeinsam mit den Schutzgebietsbetreuern Dr. Markus Höper und Tanja Maurer konnte ich bei der Wiesensaatgutbeerntung mitwirken. Die Kulturlandschaft des BGL ist vielfältig – um das Beerntungsangebot für die Vermehrung artenreicher und vor allem regionaler Bestände zu nutzen, bedurfte es diesen Sommer zahlreicher Ernteeinsätze. Essentiell für die Beerntung ist eine exakte Einschätzung der Samenreife. Dazu gab es im Juni bereits einen Workshop mit dem Projekt-Experten Heli Kammerer. Die fehlenden botanischen Kenntnisse konnte ich anschließend während der Ernteeinsätze von Markus Höper erlernen. Das Artenspektrum erweiterte sich rasant, denn wir konnten in den verschiedensten Höhenlagen (bis 1.630m) des Berchtesgadener Landes Beerntungen durchführen, mussten jedoch auch feststellen, dass die Ressource „artenreiche Wiese“ in unserer Kulturlandschaft bereits sehr knapp ist. Ein Mix an regionalen Wiesenbeständen ist allerdings erforderlich um die Empfängerflächen mit standortangepassten Samenmischungen anzusäen. Mit jeder Anwendung wurde die Handhabung des eBeetl´s, liebevoll auch eBertl genannt, verfeinert. Die beernteten Wiesen stellten aufgrund der extensiven Bewirtschaftung und der dadurch sehr vielfältigen Flora auch eine sehr umfangreiche Fauna dar, welche ich oft zu beobachten genoss.
In Leintüchern wurden die Samen auf eigens gefertigte Rahmen zum Trocknen ausgebreitet um später in Papiertüten gelagert zu werden.  Sorgfältig beschriftet warten sie nun auf ihre Chance, auf eigens dafür vorbereiteten Flächen wieder keimen zu dürfen. Denn die hochwertigen Samen bieten ein Potenzial für die flächige Entwicklung weiterer artenreicher Blumenwiesen in unserer Kulturlandschaft. Mit den Beerntungen war es für mich mit der Mithilfe noch nicht zu Ende, die besonderen Wiesen hatten es mir angetan und deswegen entwickelte sich gemeinsam mit den Schutzgebietsbetreuern die Idee vor meiner Terrasse vier Versuchsstandorte mit geeigneten Ansaaten der Beerntungen einzurichten. Diese Fläche wird von mir in Absprache mit den Schutzgebietsbetreuern nun passend bewirtschaftet und dokumentiert. Eine Biosphärenregion BGL - Monitoringfläche in meinem Garten zur Erfassung für nachhaltige und erfolgsorientierte Ansaaten in der Region – das macht mich zu einer aktiven und begeisterten Bewohnerin der Modellregion.
 
Die Ergebnisse der Monitoringflächen werden wir ab dem Frühjahr an dieser Stelle ebenfalls veröffentlichen.