Ordentlich, Schlampert!

 © B. Rems-Hildebrandt

Am 29. März 2017 fand in der INTERREG Projektregion Biosphärenpark Lungau ein Workshop unter dem Titel „Ordentlich, schlampert!“ statt, wobei das Verständnis von Ordnung bzw. Unordnung in der Natur im Fokus stand.

Veranstaltet wurde das Seminar vom gemeinnützigen Verein thema:natur unter der Leitung des Landschaftsökologen DI Wolfgang Suske und wurde zusammen mit seinem Team und der regionalen Schutzgebietsbetreuung organisiert. 

20 Landwirte aus der Region nutzen die Chance und diskutierten rege einen ganzen Vormittag lang über die unterschiedliche Wahrnehmung von Landschaften und dem Verständnis von Ordentlichkeit.  Im Mittelpunkt standen dabei Geschichten, Erfahrungsberichte, Meinungen und Zitate über die Vorstellungen und Ängste im Zusammenhang mit Ordnung und Schlampigkeit in der Landwirtschaft.

Während des Seminars arbeiteten die TeilnehmerInnen in Kleingruppen an mehreren Stationen an bestimmten Fragestellungen rund um Bewirtschaftsformen auf landwirtschaftlichen Betrieben und tauschen sich über Ansichten hinsichtlich Traditionen, vorhandenen Sachzwängen und möglichen Vorurteilen gegenüber Biodiversitätsflächen aus.  An jeder Station erwarteten die TeilnehmerInnen unterschiedliche Herausforderungen, wobei anhand von Landschaftsfotos, kreativen Spruchtafeln oder Wortwolken, verschiedene Argumentationslinien entwickelt und die eigenen Grenzen der Ordnung ausgelotet werden konnten. Die Lungauer Landwirte entpuppten sich bei diesem Seminar als äußerst naturschutzaffin: Auf Grund der jahrelangen Mitwirkung und guten Etablierung des Naturschutzprojekts zur Förderung des Braunkehlchens, haben sich diese in den letzten Jahren bestens an das Landschaftsbild von Wiesenrandstreifen und Altgrasbeständen gewöhnt und identifizierten rasch vermeintlich „schlampige“ Lebensräume als äußerst wertvoll.
Das Braunkehlchen ist auch eine der Arten, auf die in der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit des Bayerisch-Österreichischen Interreg-Projekts "Wild und kultiviert" ein besonderes Augenmerk gelegt wird.

Eine Besonderheit und der Clou des Workshops bestand übrigens darin, dass ein Schnellzeichner mit einer Prise Humor wichtige Punkte anhand von Karikaturen darstellte und die verschiedenen Sichtweisen sogleich auf den Punkt brachte.  Über diese Zeichnungen konnte dann sofort und konkret diskutiert werden.

Zum Ausklang des Workshops wurde anschließend zu einem gemeinsamen Mittagessen beim Gambswirt in Tamsweg eingeladen, wo in gemütlicher Runde Kontakte geknüpft und erneut über die eine oder andere Karikatur gemeinsam gelacht wurde.

Bild: © B. Rems-Hildebrandt