Ackerwildkräuter- Vergessene Schätze unserer Kulturlandschaften

Ackerstiefmütterchen (Viola arvensis) © Günter Jaritz

Ackerwildkräuter sind Arten, die sich an die Bewirtschaftungsmethode von Pflug und Ansaat von Kulturpflanzen angepasst haben und als Begleitpflanzen auf ebenjenen Äckern vorkommen. Dabei sind viele Arten nicht ertragsmindernd und damit auch nicht mit Unkraut zu verwechseln. Diese Ackerwildkräuter sind seit dem Beginn der Landwirtschaft ein stetiger Bestandteil unserer Kulturlandschaft und bereichern sie mit einem bunten Blühaspekt. Durch die Intensivierung der Landwirtschaft und dem damit verbundenen Einsatz von Herbiziden und Kunstdüngern sind Kornblume, Mohn und Ackerfrauenspiegel jedoch selten geworden. Auch der Rückgang des Getreideanbaus zu Gunsten der Grünlandbewirtschaftung führte dazu, dass unsere Ackerwildkräuter nur vermindert einen Lebensraum finden. Mit dem Rückgang der Ackerwildkräuter sind auch die von ihnen lebenden Insekten, Vögel und Säugetiere in ihrem Bestand stark gefährdet oder schon verschwunden.

Das Interreg Projekt „Wild und kultiviert“ hat es sich zur Aufgabe gemacht in den Projektgebieten Biosphärenpark Lungau, der Region Pinzgau und der Biosphärenregion Berchtesgadener Land die regional vorkommenden Ackerwildkräuter zu fördern und unterstützen. Dabei sollte aus den heimischen Beständen Saatgut gewonnen und über Partnerbetriebe vermehrt werden, um regionale Saatgutmischungen herzustellen. Unterstützend wurden die Technische Universität München und die Bayerische Kulturlandstiftung miteinbezogen.

Im Frühsommer 2016 wurde in den Regionen nach Bestandsflächen gesucht um herauszufinden welche Arten und in welchem Umfang diese überhaupt noch zu finden sind. Daraufhin wurde ein Konzept entwickelt, auf welche Arten der Fokus für die weitere Förderung gesetzt werden sollte. Im Zuge der Kartierung konnten 10 Arten für die Projektregionen festsetzt werden. Darunter öffentlichkeitswirksame Arten mit schönen Blühaspekt wie die Kornblume, die Kornrade und der Bunte Hohlzahn, aber auch seltene Arten wie der Ackerfrauenspiegel und der Gefurchte Feldsalat.

Mit Absprache der Flächeneigentümer wurden vor der Ernte der Kulturpflanzen, die Ackerwildkräuter im Sommer und Spätsommer 2016 aufwendig beerntet. Dabei wurden verschiedene Flächen und Erntezeitpunkte berücksichtigt um eine möglichst große Vielfalt an genetisch unterschiedlichen Individuen zu gewährleisten. Die Arten waren meist weit verstreut und zum Teil sind die Samen nur wenige Millimeter groß. So musste die Ernte sowie auch die Reinigung mühevoll durch Handarbeit geleistet werden. Für das kommende Jahr soll aus diesem Grund in Zusammenarbeit mit Partnerbetrieben in Reinbeständen ausgesät werden um möglichst effektiv Saatgut zu gewinnen.
Mit dem aktuellen Bestand besteht somit ein Fundament für die Herstellung von regionalem Saatgut zur Steigerung der regionalen Vielfalt auf den Äckern in den Projektregionen.

Bild: Ackerstiefmütterchen (Viola arvensis) © Günter Jaritz